Die Gerüchteküche hatte es bereits angedeutet, aber trotzdem eine Sensation: Unter dem Namen WebM Project hat Google heute den VP8-Videocodec als Open-Source-Alternative zu H.264 platziert und dabei bereits wichtige Partner wie Adobe oder Mozilla an Bord. Möglich wurde dies durch die letztjährige Übernahme von On2, von denen der Codec entwickelt wurde.

The WebM project is dedicated to developing a high-quality, open video format for the web that is freely available to everyone.

Im Folgenden einen ersten Überblick zum so genannten WebM-Format, was bisher an Informationen verfügbar sind.

Videocodec, Audiocodec, Containerformat

Wie immer werden für eine Videolösung drei wichtige Bestandteile benötigt: Videocodec, Audiocodec und Containerformat. Bei MPEG-4 sind dies H.264 (Video), AAC (Audio) und MP4. Das WebM Project setzt hingegen auf VP8, Vorbis und Matroschka.

Das WebM Project hat somit folgende Bestandteile:

  • VP8 als Videocodec unter einer BSD-Open-Source-Lizenz und Royalty-Free
  • Vorbis als bereits existierender Open-Source-Audiocodec
  • einem Containerformat, basierend auf einem Subset des Matroska-Container

Den Audio-Codec Vorbis hatte ich übrigens vor einiger Zeit im Artikel Überblick: Theora, Vorbis und das Ogg-Format

.webm Dateiendung

Die mit VP8 und Vorbis kodierten Videos haben die Dateiendung .webm. Der Einfachheit wegen dürfen auch nur diese Codecs enthalten sein. So sollen die z.B. von .avi-Files bekannten Probleme vermieden werden, dass verschiedene Codecs enthalten sein können, die je nach Player, Plugin oder Browser nicht funktionieren.

Der MIME-Typ für Webm-Videos lautet video/webm.

VP8 in Verbindung mit HTML5

Google forciert bereits mit dem Start dieses Projekts den Einsatz von VP8 als Codec für HTML5. Hier gab es bisher keine Codec, den alle großen Browserhersteller unterstützen (siehe Videos einbinden mit HTML5). Dazu kann Google auf das hauseigene YouTube nutzen, dass bereits Videos im WebM-Format anbietet (können allerdings zurzeit nur Nightly Builds von Google Chrome oder Firefox abgespielt werden). Alle Videos mit 720p oder größer, die ab heute auf YouTube hochgeladen werden, werden übrigens auch als WebM-Videos kodiert!

VP8 in Android

Natürlich wird der WebM-Support auch in Android Einzug erhalten. Dies soll im „Gingerbread release” geschehen, dass für das vierte Quartal 2010 geplant ist.

Encoding von WebM-Videos

Auf der Tools-Seite zeigt Google, wie Videos mit VP8-Codec abgespielt und erstellt werden können (z.B. FFmpeg, DirectShow Filters, etc.). Bereits zum Download gibt es das VP8 SDK, wenn man das Decoding und Encoding in eine eigenen Anwendung integrieren will. Im Lauf der Zeit werden natürlich auch bekannte Encodingprogramme wie Sorenson Squeeze den neuen Codec als Option anbieten.

Namhafter Support für VP8

Unterstützt wird das von Google initierte Project von vielen namhaften Herstellern. Darunter fällt z.B. Adobe, denn auch der Flash Player wird zukünftig neben VP6 und H.264 auch VP8 beherrschen. Allerdings wird dies ersten Informationen in Twitter zufolge nicht mehr in Flash Player 10.1 der Fall sein.

Des Weiteren ist auch die Mozilla Foundation mit im Boot, die sich bisher gegen H.264 in HTML5 ausgesprochen hatte (wegen der Lizenzkosten und dem Problem, dass mit einer H.264-Implementierung kein Open Source möglich ist). Auch andere Browser wie Opera und Google Chrome werden den VP8-Codec integrieren.

Zuletzt sind natürlich auch viele weitere Firmen wie Sorenson, NVIDIA oder Skype mit von der Partie.

Link: WebM Project